Die HOG´s (Heimatortsgemeinschaften) sind die kleinsten Gliederungen der Landsmannschaft der Banater Schwaben aus Rumänien in Deutschland e.V., die 1950 gegründet wurde, mit ihrem ersten Vorsitzenden Dr.Matz Hoffmann. Danach übernahm Anton Valentin, Michael Stocker, Sepp Schmidt, Jakob Laub, Bernhard Krastl die Führung. Bei der Hauptversammlung am 12.02.2011 in Ulm wurde von den Delegierten der neue Bundesvorstand mit ihrem neuen Vorsitzenden Peter-Dietmar Leber gewählt.
Zur Zeit gibt es sechs Landesverbände (Baden-Württemberg, Bayern, Berlin mit den neuen Bundesländern, NRW, Rheinland-Pfalz und das Saarland) und 115 Heimatortsgemeinschaften.
Die HOG Rekasch wurde relativ spät gegründet, weil aus unserer Gemeinde die Anzahl der in Deutschland lebenden Landsleute bis in die 70-ger Jahre gering war und sich diesbezüglich keine richtige Gründungsinitiative ergab.
Beim Heimattreffen 1982 in Ulm waren für die Rekascher keine Tische reserviert. Emil Frekot ist ein „Tausendsassa“ - ein organisatorisches Talent der Extraklasse. Fleiß und auch seine Freude zur Arbeit haben es möglich gemacht, dass auch unsere Landsleute ab sofort reservierte Tische beim nächsten Heimattag 1984 in Ulm vorfanden. Hier in Ulm war es dann soweit: unter den wenigen anwesenden Rekaschern erwachte die Sehnsucht, eine HOG ins Leben zu rufen. Antriebskraft war hauptsächlich unser hochgeschätzter und allseits beliebter Landsmann Emil Frekot, der auch zum 1. HOG Vorsitzenden gewählt wurde. Mit dabei waren noch: Josef Beck, Ferdinand und Esther Nikolitsch, Nikolaus Tasch, Harry Szupra, Arthur Wehner u. a. dabei wurde beschlossen das erste Rekascher Treffen in Karlsruhe abzuhalten. Es wurde das erste HOG Treffen in Karlsruhe in der Knielinger Sängerhalle abgehalten und man hat sich um die Belange der Neuankömmlingen, im Rahmen der Möglichkeiten, gekümmert. Es wurde eine elektrische Schreibmaschine gekauft, damit man entsprechende Zuschriften in der Banater Post auch über Rekasch veröffentlichen konnte. Die HOG Rekasch war ab sofort keine leere Worthülse mehr; sie wurde durch ehrenamtliche Arbeit und Freude an der Sache mit Leben erfüllt.
Aber, wir Rekascher, aus einer Großgemeinde entstammend, sind nicht immer einfach und es kam wie es kommen musste: Es gab Landsleute, die an die Organisatoren der Treffen immer höhere Ansprüche stellten: Reservierte Plätze für sich und ihren Familienmitgliedern zum späten Nachmittag hin, Anspruch auf eine persönliche schriftliche Einladung, ohne der HOG rechtzeitig die richtige Anschrift mitzuteilen, Musikkapellen hohen Formates (auch Ernst Mosch und die Egerländer waren erwünscht), ohne über die Finanzierbarkeit nachzudenken usw.
Ein HOG Treffen zu organisieren verlangte vom Vorstand (damals waren fast alle noch berufstätig) ein großes Quantum an ehrenamtlicher Arbeit. Kritisieren ist leicht und oft auch billig. Damals meinten einige, es gehe so zu, wie bei einem Hochzeitsfest in der alten Heimat, aber ohne Hochzeitgeschenke: Man kommt, lässt sich's gut gehen und feiert ausgiebig, ohne zu ahnen, wieviel Mühe der Organisatoren dahinter steckt.
Beim Treffen zu Pfingsten 1987 in Karlsruhe kam es fast zum Eklat: Nörgeleien und der Vorwurf an Emil, er sei ein „Beigelaufener“ hatten ihn ad hoc dazu bewogen, nicht mehr für den Vorsitz zu kandidieren.
Dem besagten Treffen in Karlsruhe wurde vorab eine Sonderstellung zugedacht: Man hatte einige Ehrengäste geladen (Stadträte und Vertreter des örtlichen BdV), um auch bei Politikern auf lokaler Ebene, für die Sache aller Aussiedler zu werben.
Und nun das: Wahlen und keiner will es werden…………………..!!!!!
Meine Frau, die an jenem Samstagnachmittag arbeiten musste, hatte die Situation vorausgesehen und mich vorher schon gewarnt, keinesfalls die Aufgabe des 1. Vorsitzenden zu übernehmen. Um aber Peinlichkeiten zu entgehen, habe ich mich notgedrungen zur Wahl gestellt und bekam dieses Amt quasi wie die „Jungfrau das Kind!“
Ich hatte nun dieses Amt, ohne es angestrebt zu haben. Dazu kam, dass organisatorische Tätigkeiten nicht gerade meine Stärke sind, und dass mich der Lehrerberuf an einer Realschule im höchsten Maß beansprucht hat; also denkbar schlechte Voraussetzungen!
Zum Glück hatte ich super Mitarbeiter im Vorstand, die alle in ihrem Bereich hervorragende Arbeit leisteten. Kassier war Franz Tasch sen., ein gelernter Kaufmann der „alten Schule“, der akribisch auf den Pfennig genau das Geld der HOG verwaltete. Bei jedem Treffen gab es einen korrekten Kassen-bericht und die Kassenprüfer hatten nie etwas zu beanstanden. Emil Frekot half weiterhin beim Organisieren der Treffen tüchtig mit und 1993 auch Stefan Lehretter sen., unter dessen Leitung erstmals ein Treffen in Augsburg in der Gaststätte Schuster stattfand.
Man hat sich bemüht, die Anschriften der Landsleute karteigeordnet zu erfassen und jedem auffindbarem Rekascher eine Einladung mit der Post zu schicken.
Diese Initiative war nur dank Arthur Wehner (zusammen mit seiner Frau Heidrun) möglich - ein IT-Spitzenfachmann der ersten Stunde, der mit Hilfe seines PC’s die Einladungen fertigte (wohlgemerkt 80-ger und Anfang derer 90-ger Jahre!) In dieser Zeit wurde die materielle Not der in Rumänien verbliebenen Landsleute, insbesondere alte und kranke Menschen, aber auch Familien mit Kleinkindern immer größer.
Durch eine Aktion der Caritas Freiburg (Prof. Friedrich) und dem Hilfswerk der Banater Schwaben (Helmuth Schneider) wurden zahlreiche Pakete an bedürftige Personen verschickt, allerdings von Privat zu Privat, da das Ceausescu Regime keine Hilfssendungen von Organisationen aus dem Ausland akzeptierte. Diese Paketsendungen mit entsprechendem Inhalt (für Alt, Jung oder Kind) zu fertigen erforderten einen sehr hohen Zeit- und Arbeitsaufwand.
Eine große Herausforderung für den Vorstand und der gesamten HOG war das Erstellen eines Heimatbuches unserer Großgemeinde. Durch die Initiative des Lehrerehepaares Edith und Franz Heuer und vielen Mitarbeitern, die gekonnt eigene gelungene Beiträge verfassten, ist “Erinnerung an Rekasch“ im Jahr 1993 erschienen. Die Finanzierung wurde durch den Buchpreis aber auch durch viele großzügige Spenden ermöglicht.
Beim HOG Treffen zu Pfingsten 1993 habe ich mich nicht mehr zur Wahl für den Vorsitz gestellt Die berufliche Belastung und ein zusätzliches Fernstudium, haben mich zeitlich sehr stark beansprucht und außerdem ist es gut, wenn neue Kräfte ein solches Ehrenamt übernehmen. Zum 1. Vorstand wurde Nikolaus Lutz aus Freiburg gewählt, zusammen mit einem Team, das die Aufgaben in den verschiedenen Bereichen erfüllen sollte.
Todesfälle in meiner Familie und Klassentreffen haben es mir nicht ermöglicht, an allen Treffen der HOG während deren Amtszeit teilzunehmen, so dass ich ihre Arbeit nicht erschöpfend beschreiben kann.
In den Jahren 1993 und 1994 hat die HOG Leitung Mitteilungsblätter mit verschiedenen Beiträgen verschickt. Ich besitze zwei davon. Es sind darin Erinnerungen, Geschehnisse, Gedichte usw. niedergeschrieben.
Wichtige Akzente wurden im Bereich Musik und Chor gesetzt: Ehemalige und neue Mitglieder des Rekascher Kirchenchores gestalteten musikalisch die Gottesdienste bei den Treffen, Chöre und Tanzgruppen wurden ins Leben gerufen und selbst die Rekascher Blasmusik feierte gelungene Auftritte.
Eine absolute Glanzleistung lieferte unser Landsmann Franz Bertram, der 2003 zusammen mit Edith Heuer und Elisabeth Stricker das Familienbuch der Deutschen aus Rekasch von 1740-2002 herausbrachte. Dieses Buch entspricht allerhöchsten wissenschaftlichen Ansprüchen, fundiert auf eingehender Forschung, Zusammentragung sämtlicher Dateien und das Redigieren des handschriftlichen Materials, ein Nachschlagewerk der Extraklasse!
Sehr tolle Beiträge befinden sich auch im Heimatblatt Rekasch, 2007 erschienen. Unter der Federführung von Franz Bertram kann man in dieser Veröffentlichung viele Begebenheiten aus der älteren und jüngeren Geschichte unserer Heimatgemeinde erfahren.
Meines Wissens sind noch genügend Exemplare der beiden Bücher vorhanden, die in keiner Familie fehlen sollten. Nur durch Interesse an der Geschichte unserer Ahnen können wir dem Motto das Franz Bertram am Anfang des Vorwortes zum Rekascher Heimatblatt 2007 gesetzt hat, gerecht werde:
„Lass dir die Fremde zur Heimat werden,
aber niemals die Heimat zur Fremde!“
Quo vadis HOG Rekasch?
Wenn man in den letzten Jahren bei einem Rekascher Treffen von der Bühne aus einen Blick in den Saal warf, so konnte man leicht erkennen, dass meistens immer nur dieselben Landsleute anwesend sind: Ein „harter Kern“ aus dem Verwandten- und Bekanntenkreis der Musikanten und dazu eine beträchtliche Gruppe derer, die immer dabei sind und dann noch wenige, die sehr selten zu einem Heimattreffen erscheinen. Insgesamt schrumpft die Zahl der Teilnehmer kontinuierlich. Ist die HOG Rekasch ein Auslaufmodell? Bis vor einigen Jahren war ich der festen Überzeugung, dass wenn Nikolaus Lutz amtsmüde wird oder keine Lust mehr hat weiter zu machen, die „Lichter ausgehen“ werden! Niemand wird bereit sein, Verantwortung zu übernehmen, um die Leitung der HOG weiter zu führen. Gott sei Dank, wird man immer wieder eines besseren belehrt.
Beim HOG Treffen zu Pfingsten 2009 gab es ein Generationswechsel in der Führungsetage der HOG: Erwin Lehretter und Mischi Riedl, zusammen mit einem jungen und begeisterungsfähigem Team, haben die Leitung der Rekascher Heimatortsgemeinschaft übernommen. Der neue Vorstand zeigte schon nach kurzer Zeit viel Initiative und Arbeitsfreude, mit neuem und erfolgreichem Teamwork Diese jüngere Generation führt die traditionelle Arbeit der bisherigen Vorstände mit neuen Ideen weiter. Viele Gestaltungsmöglichkeiten werden bereitgestellt, die jeden zum Mitmachen animieren sollte. Mich persönlich spricht die Homepage der HOG in besonderem Maße an, gestaltet von Franzi Tasch und Stefan Lehretter jun.. Man könnte noch viele andere Beispiele nennen. Also Rekascher: „ozapft iss!“
Hier möchte ich meinen Beitrag zur Geschichte der HOG Rekasch beenden.
Es sind bloß Erinnerungen und Erinnerungen können nie vollständig sein, manchmal auch ungenau. Für die Zeit 1987 bis 1993, als ich den Vorsitz der HOG hatte, habe ich die damals von mir gefertigten Berichte für die HOG Treffen nochmals eingesehen. Ansonsten sind es, wie schon erwähnt, Erinnerungen, die jederzeit ergänzt werden können und auch sollen. Ich habe absichtlich nur wenige Namen erwähnt. Ihnen allen aber auch den Nichtgenannten gilt mein besonderer Dank für die Mitarbeit, Ratschläge und Gestaltungswille. Mein Bericht ist stellenweise auch etwas persönlich geworden, als subjektiv, verbunden mit gewissen Maß an Enttäuschung und Resignation. Das sind aber zwangsläufig die Begleiterscheinungen jeglicher Arbeit im Ehrenamt.
Andreas Stark
Karlsruhe, im März 2011
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